Inhalt und Ziele

Zur Frage, ob und wie sich die persönlichen weltanschaulichen oder religiösen Orientierungen von Lehrkräften auf ihr berufliches Denken und Handeln auswirken, besteht in Europa und Deutschland ein eklatantes Forschungsdefizit. Dies ist v. a. deshalb bedauerlich, weil die Religiosität von Lehrpersonen sowohl als unterstützende Ressource wie auch als problematischer Störfaktor im Hinblick auf deren schulische Aufgaben fungieren kann. Zudem sind die häufig von religiösen Bildungsträgern wie deren Kritikern gleichermaßen schnell propagierten – und von ersteren z. T. normativ eingeforderten – Einflüsse der religiösen Orientierungen von Lehrkräften auf ihr pädagogisches Wirken kaum empirisch überprüft. Ob z. B. die über die Kirchenmitgliedschaft eingeforderte christliche Orientierung von Lehrer*innen an evangelischen oder katholischen Schulen wirklich einen Einfluss hat, ist, trotz manch vollmundiger Behauptungen, noch immer nicht hinreichend empirisch geklärt. Und auch die häufig sehr emotional diskutierten Frage, ob die Religiosität von muslimischen Lehrerinnen – ob kopftuchtragend oder nicht – oder von evangelikal-fundamentalistisch orientierten Lehrer*innen eine Auswirkung auf ihr professionelles Selbstverständnis hat, wurde bislang nicht hinreichend empirisch untersucht.

Das hier dargestellte Projekt will der Beantwortung der angesprochenen Fragen und der Überprüfung der oben genannten Behauptungen näher kommen und damit einen Beitrag zur Grundlagenforschung in diesem Bereich leisten. Wir nehmen exemplarisch den Kernbereich von Religiosität, die religiösen Überzeugungen von Lehrkräften, in den Blick und fragen nach möglichen Zusammenhängen mit deren berufsbezogenen Überzeugungen sowie nach Variablen, die diese Zusammenhänge vermitteln könnten. Dass gerade der Bereich der Überzeugungen von Lehrpersonen gegenwärtig in der Erziehungswissenschaft als besonders relevantes Forschungsfeld angesehen wird, zeigt sich in aktuellen nationalen und internationalen Publikationen.